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© Anan Kaewkhammul @shutterstock.com
26.01.2016

Cannabis: Heilmittel, Droge und Medikament

Vor kurzem wurde ein Gesetzesentwurf verabschiedet, der den deutschen Medikamentenmarkt einmal ordentlich umkrempeln könnte. So dürfen Ärzte in Zukunft auch hierzulande schwerkranken Menschen Cannabis verschreiben. Die Krankenkassen müssen diese Therapie bezahlen. Doch wie wirkt das Gewächs und welche Chancen und Risiken birgt es?

Cannabis als Medikament – Schon lange ein Streitthema

Die Legalisierung von Cannabis ist immer wieder Streitthema. In Politik, Medizin und letztlich auch in der Gesellschaft. Lange verpönt als illegale „Kiffer-Droge“, ist das Gewächs mittlerweile unter vielen Menschen als Therapiemöglichkeit für schwere Krankheiten hoch angesehen. Immer mehr Menschen gehen auf die Straße, um für die Cannabis-Legalisierung einzutreten. 2016 zog bereits die 20. Hanfparade durch die Hauptstadt. Einige für die Legalisierung zum Eigenbedarf, andere für medizinische Zwecke. Dass die Grünpflanze einen Nutzen hat, wusste man bereits im frühen 3. Jahrtausend vor Christus.

Herkunft und Geschichte

In China wurde die Pflanze bereits zu dieser Zeit als eine der bekanntesten und ältesten Nutz- und Heilpflanzen angebaut. Damals noch zur Herstellung von Kleidern und Seilen verwendet, wurde sie rund ein Jahrtausend später bereits als Heilmittel eingesetzt. Als Rauschmittel hat sich Cannabis zunächst in Indien etabliert. In Europa wurde diese Wirkung allerdings erst im 19. Jahrhundert bekannt, während in Deutschland die 1970er Jahre dazu beitrugen, dass Cannabis als am häufigsten konsumierte Rauschdroge galt. Besonders wegen diesem Ruf, sind viele Ärzte nicht bereit Cannabis als Therapiemittel zu verschreiben.

Cannabis als Arzneimittel: Wirkung und Wirkstoffe

Andere hingegen sind überzeugt, dass der verantwortungsvolle und offene Umgang mit Cannabis zu Erfolgen führen kann. So weisen die in Hanf enthaltenen Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) klare medizinische Effekte auf. Inhaliert löst der Pflanzenstoff THC zwar ein Rauschgefühl aus, daneben wirkt er aber auch muskelentspannend, gegen Übelkeit und Brechreiz.

CBD wirkt außerdem entzündungshemmend, brechreizlindernd und entkrampfend. Vor allem bei krebsbedingten Schmerzen oder chronischen Nervenschmerzen sollen Cannabismedikamente lindernd wirken. Der Grund für die Wirkung ist, dass das menschliche Gehirn selbst einen Cannabinoid-Rezeptor besitzt, an den THC andocken kann. Die aktuellsten Forschungsergebnisse zeigen, dass dieser Rezeptor nötig sein könnte, um Schmerzwahrnehmungen zu löschen.

Bisher gibt es in Deutschland ein zugelassenes Fertigarzneimittel mit Cannabinoiden. In Form eines Mundsprays hilft es bei Spastiken bei multipler Sklerose. Ein anderer vollsynthetischer THC-Abkömmling soll bei Chemotherapien gegen Erbrechen und Übelkeit helfen und kann auf ärztliche Verordnung durch Apotheken nach Deutschland importiert werden.

Kontrollierter Anbau

Der Gesetzesentwurf, der den Einsatz von Cannabisarzneimitteln als Therapiealternative bei Patienten mit schwerwiegenden Erkrankungen regelt, wird im März 2017 in Kraft treten. Was ein schwerwiegender Fall ist, entscheidet der jeweilige Arzt. Beim Anbau und der Kontrolle des Stoffs tritt der Staat aber selbst ein. So soll der Anbau und die Umsetzung durch das BfArM als staatliche „Cannabisagentur“ geregelt werden. Die hohe Qualität soll standardisiert werden. Bis dahin wird der Bedarf durch Importe gedeckt. Eigener Anbau ist nach wie vor verboten.

Weder Wunder- noch Allheilmittel, aber ein Weg

Fakt ist aber auch, dass die medizinische Forschung zu Cannabis nicht ausgereift ist. Immer noch ist nicht geklärt, wie genau der medizinische Nutzen gemessen werden kann. Die Annahmen, dass die Pflanze tatsächlich helfen kann, basieren lediglich auf Patientenaussagen und klinischer Erfahrung. Gegen alles hilft Cannabis laut Ärzten nicht. Außerdem dürfe man nicht vergessen, dass durch den Konsum auch akute Psychosen und schizophrene Schübe ausgelöst werden können. Bei der Forschung rund um Cannabis stellen sich immer wieder Extrakte heraus, die schmerzlindernd wirken, andere die hingehen gar nichts bewirken. Der Gesetzesentwurf der Bundesregierung ebnet also den Weg in eine intensivere Forschung.

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